Lieferplattformen in der Schweiz: Was von einer Bestellung wirklich übrig bleibt
Der Umsatz über Lieferplattformen wächst in vielen Restaurantgruppen schneller als der Gewinn. Das ist kein Zufall. Zwischen dem Bestellwert in der App und dem Betrag, der am Monatsende übrig bleibt, liegen fünf bis sieben Abzüge, und die meisten davon sieht niemand auf einer Standardauswertung. Wer mehrere Standorte führt, braucht deshalb eine Zahl pro Bestellung, pro Standort und pro Plattform: den Deckungsbeitrag. Dieser Artikel zeigt, wie Sie ihn ausrechnen, was ein realistisches Ergebnis ist und an welchen Stellen Sie ihn verändern können.
Die Rechnung pro Bestellung
Eine Bestellung über eat.ch, Uber Eats, Smood oder Wolt läuft durch dieselbe Kette von Abzügen. Die Reihenfolge ist immer gleich, die Höhe hängt von Ihrem Vertrag ab.
- Bestellwert. Der Betrag, den der Gast in der App bezahlt, ohne Liefergebühr und Trinkgeld.
- Provision der Plattform. Nach öffentlichen Angaben liegt sie in der Schweiz grob zwischen 12 und 18 Prozent, wenn Sie selbst liefern, und bei bis zu 30 Prozent, wenn die Plattform liefert. Massgebend ist allein Ihr Vertrag. Prüfen Sie dort auch, ob die Provision auf den Bestellwert mit oder ohne Mehrwertsteuer berechnet wird.
- Wareneinsatz. Der Einkaufswert der Zutaten, bei Lieferbestellungen oft höher als im Lokal, weil Portionen und Beilagen grosszügiger ausfallen.
- Verpackung. Boxen, Beutel, Besteck, Siegel. Pro Bestellung meist zwischen 1 und 3 Franken.
- Aktionen. Rabatte, Gratislieferung ab Mindestbestellwert, zwei für eins. Auf den meisten Plattformen trägt das Restaurant den Rabatt ganz oder zum grossen Teil.
- Werbung auf der Plattform. Gesponserte Platzierungen, bezahlt pro Klick oder pro Bestellung.
- Zubereitung. Die Minuten in der Küche, bewertet mit dem Stundenlohn inklusive Nebenkosten.
Was nach Punkt 6 übrig bleibt, nennen wir Deckungsbeitrag I. Nach Punkt 7 ist es Deckungsbeitrag II. Beide Zahlen gehören auf eine Zeile pro Standort und Plattform.
Beispielrechnung mit Beispielwerten
Die Zahlen unten sind Beispielwerte, keine Vertragsdaten. Setzen Sie Ihre eigenen ein.
| Position | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Bestellwert | CHF 42.00 | 100 % |
| Provision, Plattform liefert | CHF 12.60 | 30 % |
| Wareneinsatz | CHF 12.60 | 30 % |
| Verpackung | CHF 1.80 | 4 % |
| Aktionen, im Schnitt pro Bestellung | CHF 1.40 | 3 % |
| Werbung auf der Plattform | CHF 0.90 | 2 % |
| Deckungsbeitrag I | CHF 12.70 | 30 % |
| Zubereitung, 12 Minuten zu CHF 32 pro Stunde | CHF 6.40 | 15 % |
| Deckungsbeitrag II | CHF 6.30 | 15 % |
Von 42 Franken bleiben in diesem Beispiel 6.30 Franken, bevor Miete, Strom und Verwaltung bezahlt sind. Jetzt sehen Sie, was eine Aktion bedeutet: 10 Prozent Rabatt auf diese Bestellung kosten 4.20 Franken. Der Deckungsbeitrag II fällt von 6.30 auf 2.10 Franken, also um zwei Drittel. Die Aktion muss deshalb mindestens drei zusätzliche Bestellungen bringen, die es ohne sie nicht gegeben hätte, sonst verlieren Sie Geld.
Dieselbe Logik gilt umgekehrt. Ein Franken weniger Verpackung oder zwei Minuten weniger Zubereitungszeit pro Bestellung sind bei 2'000 Bestellungen im Monat 2'000 oder 2'100 Franken, Standort für Standort.
Fünf Stellschrauben, die den Deckungsbeitrag bewegen
Die Provision verhandeln Sie selten, der Rest liegt bei Ihnen. Diese fünf Punkte verändern die Rechnung in den meisten Netzwerken am stärksten.
1. Preise auf der Plattform
Viele Betriebe übernehmen die Lokalpreise eins zu eins in die App. Die Plattform kostet aber 12 bis 30 Prozent mehr als der Gast am Tisch. Prüfen Sie, ob Ihr Vertrag eine Preisparität verlangt. Wenn nicht, gehört die Preisliste auf der Plattform separat kalkuliert, Artikel für Artikel, mit Blick auf den Wettbewerb im selben Segment. Die Frage ist nicht, ob Sie teurer sein dürfen, sondern bei welchen Artikeln es der Gast akzeptiert.
2. Mindestbestellwert und Liefergebühr
Beides steuert den durchschnittlichen Bestellwert. Ein Mindestbestellwert von 25 statt 20 Franken hebt den Schnitt, kostet aber kleine Bestellungen. Welche Variante mehr Deckungsbeitrag bringt, zeigt nur die Rechnung pro Standort. In einem Quartier mit Studenten ist die Antwort anders als im Geschäftsviertel.
3. Aktionen nur mit Beleg
Jede Aktion braucht eine eigene Rechnung: Rabattkosten gegen zusätzliche Bestellungen, gemessen gegen die Vorwochen ohne Aktion. Eine Aktion, die hauptsächlich Stammgäste günstiger einkaufen lässt, bringt Umsatz und vernichtet Marge. Unsere Regel bei Kunden: Aktionen ohne Beleg werden gestoppt, nicht diskutiert.
4. Verfügbarkeit
Ein Artikel, der offline steht, kostet Bestellungen, und ein Standort, der in der Stosszeit pausiert, kostet Ranking. Auf eat.ch sehen Sie offline gestellte Artikel nur je Standort, nicht über das ganze Netzwerk. Deshalb braucht es eine Übersicht, die jeden Morgen alle Standorte auf allen Plattformen zeigt. Bei zwölf Standorten auf drei Plattformen sind das 36 Zeilen, die jemand verantwortet.
5. Lieferzeit und Bewertung
Die Apps sortieren nach dem, was Gäste nach dem Essen tun: wieder bestellen und bewerten. Lieferzeit und Bewertungsschnitt entscheiden mit, auf welcher Position Ihr Standort erscheint. In einem Netzwerk mit zwölf Standorten sank die durchschnittliche Lieferzeit innerhalb von drei Monaten von 45 auf 32 Minuten und der Bewertungsschnitt stieg von 3,2 auf 4,8. Der Umsatz legte im selben Zeitraum um 33 Prozent zu, mit denselben Küchen und denselben Preisen. Das ist ein gemessenes Kundenergebnis, keine Zusage auf dasselbe Resultat.
Standort für Standort, nie der Schnitt
Der häufigste Fehler in Restaurantgruppen ist die Durchschnittsrechnung. Ein Netzwerk mit 20 Prozent Deckungsbeitrag im Schnitt hat meist drei Standorte bei 30 Prozent und drei bei 8 Prozent. Die Massnahmen für diese beiden Gruppen sind verschieden: Bei den ersten geht es um mehr Bestellungen, bei den zweiten um Preise, Verpackung und Zubereitungszeit. Deshalb gruppieren wir Standorte nach ihrem Muster und geben jeder Gruppe einen eigenen Plan statt einer Regel für alle.
Jede Woche prüfen, nicht jedes Quartal
Die Rechnung oben ist eine Momentaufnahme. Provisionen, Aktionen und Verfügbarkeit ändern sich wöchentlich, deshalb muss die Zahl wöchentlich auf den Tisch. Dreissig Minuten am Montag reichen, wenn die Daten vorbereitet sind: Deckungsbeitrag je Standort und Plattform, Abweichung zur Vorwoche, ein Verantwortlicher pro Zahl, eine Entscheidung pro Abweichung. Welche sieben Zahlen dafür genügen, steht im Artikel über die Wochenzahlen für Restaurantgruppen.
Checkliste
- Deckungsbeitrag I und II pro Bestellung sind für jeden Standort und jede Plattform bekannt.
- Die Preisliste auf der Plattform ist separat kalkuliert, nicht kopiert.
- Jede Aktion hat eine Rechnung mit Rabattkosten und zusätzlichen Bestellungen.
- Offline-Artikel und pausierte Standorte werden täglich über alle Plattformen geprüft.
- Lieferzeit und Bewertung stehen je Standort auf der Wochenauswertung.
- Standorte sind nach Muster gruppiert, jede Gruppe hat einen eigenen Plan.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Lieferplattform für ein Restaurant überhaupt?
Ja, wenn der Deckungsbeitrag II pro Bestellung positiv ist und die Küche in der Stosszeit Kapazität hat. Bei 15 Prozent vom Bestellwert, wie im Beispiel, trägt jede Bestellung zu den Fixkosten bei. Negativ wird die Rechnung meist durch Aktionen, kopierte Lokalpreise und zu lange Zubereitung, nicht durch die Provision allein.
Welche Provision ist in der Schweiz üblich?
Nach öffentlichen Angaben grob 12 bis 18 Prozent bei eigener Lieferung und bis zu 30 Prozent bei Lieferung durch die Plattform. Die Höhe hängt von Plattform, Vertrag, Volumen und Lieferart ab. Rechnen Sie immer mit Ihrem eigenen Vertrag, nicht mit Durchschnittswerten.
Darf ich auf der Plattform höhere Preise verlangen als im Lokal?
Das regelt Ihr Vertrag mit der Plattform. Prüfen Sie ihn auf Klauseln zur Preisparität. Viele Betriebe in der Schweiz kalkulieren die Plattformpreise separat. Entscheidend ist, dass der Preis im Vergleich zu den Wettbewerbern im selben Segment plausibel bleibt.
Wie schnell sieht man Resultate?
Preise, Mindestbestellwert und Aktionen wirken innerhalb von ein bis zwei Wochen auf den Deckungsbeitrag. Lieferzeit und Bewertung brauchen meist zwei bis drei Monate, weil die Apps auf viele Bestellungen schauen, nicht auf eine Woche.
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- Die sieben Zahlen, die eine Restaurantgruppe jede Woche sehen mussUmsatz, Deckungsbeitrag, Bestellungen, Verfügbarkeit, Lieferzeit, Bewertung, Aktionskosten. Pro Standort und Plattform, mit Ziel und Verantwortlichem, in 30 Minuten am Montag.